Wer hat Angst vor 5G? Das solltest du über die neue Technologie wissen

Am Donnerstag, den 5. September 2019 lud die Gemeinde Reith bei Kitzbühel zu einem Diskussionsabend in das Reither Kulturhaus unter dem Titel „Zukunft Breitband, Digitalisierung und 5G-Technologie im ländlichen Raum.“ Als Vortragende konnten Bundesministerin aD Dr. Margarete Schramböck, Dr. Andreas Bierwirth (CEO Magenta, ehemals T-Mobile), Arno Abler (Geschäftsführer Breitbandserviceagentur Tirol) gewonnen werden, die der Einladung von Stefan Jöchl (Bürgermeister von Reith bei Kitzbühel) gefolgt sind. Ein hochaktuelles Thema, zumal gerade die Thematik „5G“ die Bevölkerung dieser Tage verunsichert. Wir waren vor Ort und erklären euch, was hinter 5G steckt und wie dies unsere Region beeinflusst.

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Dr. Andreas Bierwirth, CEO von Magenta


5G als Verunsicherer der Bevölkerung

„Als ich von Stefan (Jöchl, Anm.) erfuhr, dass die Reither Volksschule mit einer speziellen ‚strahlungsresistenten‘ Farbe ausgemalt wurde, um Kinder vor 5G zu schützen, dachte ich mir, es wäre gut, etwas aufzuklären“, beginnt Dr. Andreas Bierwirth seinen Impulsvortrag über die neue 5G-Technologie. Und es stimmt, 5G befindet sich erst in der Pilotphase in ausgewählten Gemeinden Österreichs (darunter St. Johann in Tirol), aber die Verunsicherung der Bürger ist groß. Nicht zuletzt deswegen, weil vor allem auf sozialen Netzwerken und privaten Blogs Schreckensgeschichten – wie etwa dem angeblichen Tod von dutzenden Vögeln während 5G Tests in Den Haag – veröffentlicht werden. Dass in Den Haag keine Tiere bei 5G Tests gestorben sind, hat übrigens die Rechercheplattform Mimikama bereits aufgeklärt und richtiggestellt. Dennoch hält sich das Gerücht hartnäckig. Und so macht sich wieder einmal bemerkt, wie Fake News einschlägiger Blogs, Bürger verunsichern können.

Um die Thematik 5G zu verstehen, sollte allerdings mit der Frage begonnen werden, was diese Technologie überhaupt ist.

Was ist eigentlich 5G?

5G ist die fünfte Generation des Mobilfunks und wird sich in den kommenden Jahren als Standard etablieren. Er folgt daher chronologisch auf 2G, 3G und 4G (LTE). 5G erlaubt es, größere Datenpakete schneller und stabiler zu übermitteln. Ist es derzeit möglich, ca. 150 mb/Sekunde mit der bestehenden Technologie zu übertragen, ermöglicht 5G die Übertragung von 1000 mb / Sekunde und darüber hinaus. 5G wird in der ersten Phase (für ca. die nächsten 10 Jahre) auf jeden Fall auf denselben Frequenzen wie 4G genutzt. Die Strahlung ändert sich demnach nicht, sondern vielmehr die verbesserte Technologie hinter den Antennen. Ein hochperfomantes 5G Netz mit erhöhten Frequenzen, die Datenübertragungsraten von 10-20 GB / Sekunde ermöglichen werden zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingesetzt. Dr. Bierwirth unterstreicht, dass es für Frequenzsendungen dieser Art noch Studien und Evaluierungen bedarf und diese erst zum Einsatz kommen, wenn sich keine Gesundheitsgefährdung dadurch ableiten lässt. Für den kurz- und mittelfristigen Zeithorizont bleibt also alles beim Alten, außer, dass das mobile Internet schneller wird.

Doch was unterscheidet 5G von 4G und warum brauchen wir 5G überhaupt?

Die Antwort ist einfach. Noch nie zuvor wurden so viele Daten über das Internet übertragen wie heute. Vom Smartphone über den Fernseher bis hin zum Staubsauger hängt heute eine Vielzahl an Geräten am Internet (Smart Devices, bzw. Smart Home). Dazu kommen immer anspruchsvollere Dienste, die eine Vielzahl an Datendown- und uploads benötigen – Stichwort Netflix, Spotify, Youtube. Doch mit steigender Datenübertragung sinkt die Belastbarkeit des bestehenden Netzes. „Sie müssen sich das wie eine Autobahn vorstellen. Heute fahren wir auf 3 Spuren. Kommen jetzt exponentiell mehr Autos auf die Straßen, verursacht dies Stau. Mit 5G werden wir sozusagen auf 30 und noch mehr Spuren fahren können, sodass auch mehr Verkehr mühelos das Netz nutzen kann“, erklärt Bierwirth. Doch nicht nur der Haushalt, sondern vor allem die Industrie ist auf eine stabile und schnelle Internetverbindung angewiesen. Zum Beispiel werden Fertigungsprozesse und Logistik immer komplexer und ohne Anbindung an eine schnelle und stabile Internetverbindung können Tätigkeiten in der Industrie nicht mehr ausgeführt werden. Aber auch im Medizinbereich ist man auf bedingungsloses, stabiles Internet angewiesen. „Telechirurgie wird massiv von dieser Technologie profitieren. Sie werden mir wahrscheinlich zustimmen, dass es wichtig ist, dass die Position eines Skalpells während einer Fern-OP in Echtzeit und nicht mit einer Sekunde Verspätung bewegt werden soll“, veranschaulicht Bierwirth.

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Welche Auswirkungen hat 5G für die Gesundheit von Menschen?

Wie oben erwähnt, unterscheidet sich die Frequenz (und damit Strahlung) zum jetzigen Zeitpunkt nicht von gängigen Technologien wie 4G (dies sind übrigens dieselben Strahlungswerte wie die einer Glühbirne).

Die Tageszeitung faz.net geht nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation genauer darauf ein:

„Bisher seien keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks bekannt. Dergleichen ist auch unplausibel. Egal, ob 5G oder ältere Standards, Handys nutzen nichtionisierende Strahlung, und die hat zu wenig Energie, um Elektronen von Atomen oder Molekülen abzureißen. Somit könne sie auch kein Erbgut schädigen und Krebs verursachen. Laut WHO ist ihr dominanter Effekt auf den menschlichen Körper eine Erwärmung des Gewebes bis in einige Millimeter unter der Haut. Tiefer dringt Strahlung dieser Frequenzen nicht in den Körper ein.“

https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/strahlenrisiko-durch-5g-16170539.html

Interessant: Die WHO führt in der IARC-Liste Kategorien über Krebserreger. So wird zum Beispiel verarbeitetes Fleisch (Wurstwaren), Alkohol und Tabak als “wahrscheinlich krebserregend” eingestuft werden, während sich Handystrahlung nicht in der Liste findet. Im Kontext der Diskussionskultur über 5G ein Indiz dafür, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn niemand würde eine Petition gegen Salami, oder Extrawurst starten, auch wenn diese Art von Fleisch “wahrscheinlich krebserregend” ist.

5G oder Breitband? Worin liegt der Unterschied?

5G ist eine Mobilfunktechnologie. Das heißt die Daten werden mobil über Frequenzen in der Luft übertragen. Eine Anbindung des Endnutzers an ein Festnetz ist für 5G daher nicht notwendig. Mit Breitband wiederum ist der Ausbau des Internets über Glasfaserkabel gemeint. Der Endnutzer benötigt zur Nutzung von Breitband einen adäquaten Anschluss und wenn er WLAN nutzen möchte, einen dementsprechenden Router. Der Unterschied zwischen 5G und Breitband liegt demnach darin, wie Daten übertragen werden: Über die Luft (5G) oder über einen Netzanschluss (Breitband).

Als Experte rund um das Thema Breitband erklärt Arno Abler wie die Breitbandserviceagentur Tirol Gemeinden beim Breitbandausbau unterstützt. Abler hält dabei fest, dass ein Anschluss an ein Breitbandnetz derzeit – und trotz 5G – immer noch die schnellste und stabilste Internetverbindung gewährleistet. Deshalb sei es wichtig, den Ausbau des Netzes weiter voranzutreiben. Die Breitbandserviceagentur hilft Gemeinden, die drei Faktoren Rechtssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Technik zu vereinen und Expertise durch Beratung bereitzustellen. So soll der Ausbau des Breitbands in Tirol gefördert und Barrieren für diesen gelindert werden.

Doch wenn Breitband ohnehin stabiler als Mobilfunk ist, warum benötigt es dann 5G? Diese berechtigte Frage wurde mehrmals vom Publikum gestellt, lässt sich aber einfach beantworten. Auch, wenn das Land Tirol den Ausbau des Breitbands fördert, ist es schwierig Glasfaseranschlüsse komplett flächendeckend bereitzustellen. Zur Erinnerung. Um Breitbandinternet zu nutzen, bedarf es eines physischen Anschlusses. Gerade am ländlichen Raum stößt man an Herausforderungen, abgelegene Gebiete zu erschließen. 5G wiederum bietet die nötige Flexibilität, schnelles Internet mit relativ wenig Aufwand in jegliche Regionen zu bringen. Ebenso temporärer, bzw. ortsungebundener Internetzugang wie wir es vom “Whatsappen” im Zug bis zum Streamen am Fußweg in die Arbeit kennen, bedarf einer starken Mobilfunkverbindung. Diese kann logischerweise nicht, oder nur bedingt, über eine Breitbandverbindung garantiert werden.

Künftig wird es es daher beides geben müssen, um den steigenden Anforderungen der Internetnutzung von Privaten und Unternehmen gerecht zu werden. Diese hybriden Lösungen ermöglichen es dann auch, für jedes Einsatzgebiet das richtige Netz parat zu haben.

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Die Internetinfrastruktur als Grundstein für Innovation und Digitalisierung

Bundesministerin für Wirtschaftsstandort und Digitalisierung aD Dr. Margarete Schramböck erläutert in ihrem Impulsvortrag die Wichtigkeit einer modernen Internetinfrastruktur. So sei für die Standortwahl von Unternehmen jeglicher Größe ein inkrementelles Kriterium, wie gut die Anbindung zu einer stabilen und schnellen Internetverbindung ist. Das Internet als Grundpfeiler der Digitalisierung bestimmt daher, welche Regionen künftig moderne, nachhaltige Arbeitsplätze schaffen können. Der Ausbau neuer Technologien wie 5G bzw. des Breitbandes trägt direkt dazu bei, dass auch der ländliche Raum für die Ansiedlung neuer Betriebe attraktiver gestaltet wird, bzw. das Abwandern in Städte gedämmt werden kann. Österreich als Vorreiternation in der Implementierung von 5G sei eine absolute Chance, europa- und weltweit näher an die sogenannten Innovation Leader zu rücken, so Dr. Schramböck.


Was bringt 5G und das Breitband? Beispiele zur Zukunft des Internets

Viele von uns verbinden mit dem Internet Anwenderbeispiele. Auf Facebook surfen, E-Mails checken, Netflix-Serien anschauen, im Internet bestellen. Braucht es dafür wirklich superschnelles Internet? Die Antwort ist zum derzeitigen Zeitpunkt natürlich ganz klar “nein”. ABER das Internet und seine Anwendung entwickelt sich ständig weiter und die Nutzung davon wird in vielen Bereichen immer datenintensiver. Es ist daher wichtig, bereits heute die Investitionen zu treffen, damit man für die Anforderungen von morgen gerüstet ist.

So sind heute bereits Baustellen vernetzt, um Echtzeitdaten über den Baufortschritt mit allen involvierten Parteien zu teilen, die Bedarfsplanung zu optimieren und Maschinen zu tracken, um Ausfallquoten zu lindern. Dies ist keine Zukunftsmusik, sondern passiert vereinzelt heute schon. Und solche Anwendungen werden täglich mehr. Dafür benötigt es eine Möglichkeit, eine enorme Datenmenge schnell, sicher und stabil zu übertragen. Dasselbe gilt für den Gesundheitsbereich. Notfalldienste, Krankenhäuser, Pflegestationen werden künftig noch “smarter”, um über einen effizienten Informationsfluss Prozesse zu vereinfachen und Fehler zu eliminieren. Dies kommt am Ende des Tages den Menschen zu Gute. Daten benötigen allerdings eine Technologie, um übertragen werden zu können und dies ist nur mit dem Internet möglich.

“Internet of Things” ist derzeit zwar ein Schlagwort, wird aber täglich immer mehr zur Realität. Mehr Geräte werden künftig an das Netz angeschlossen, um miteinander zu kommunizieren und dem Benutzer vieles des täglichen Lebens zu erleichtern. Wer einen Roborasenmäher besitzt weiß, wie solche kleinen Tools den Alltag erleichtern. Aber auch hier benötigt man effizienten Datenfluss, damit solche Geräte funktionieren.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Einführung von 5G eine exponentielle Weiterentwicklung des derzeitigen mobilen Standards bringt. Die Nutzung dieser Technologie positioniert Österreich als Vorreiter in Sachen Innovation und Digitalisierung. Dadurch wird der Standort gestärkt, ländliche Regionen inkludiert, neue Arbeitsplätze sowie ein fruchtbarer Boden für Forschung und Entwicklung geschaffen.

Im Bereich der Strahlungsbelastung ergeben sich aber keine Unterschiede. Zumal diese auf denselben Frequenzen wie die Vorgängertechnologien beruhen. Bis neue Netze mit höheren Frequenzen eingeführt werden, bedarf es noch umfangreicher Forschung. Diese wird laut Dr. Bierwirth erst in den nächsten 10 Jahren so weit sein, um sich ein klares Bild über die gesundheitlichen Aspekte machen zu können.

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