Der Überflieger Franz Schider – Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen

Text: Doris Martinz
Fotos: Christina Feiersinger, privart
Erschienen in “Bei ins dahoam”

Portrait von Hubschrauberpiloten-Legende Franz Schider

Wir alle kennen das lärmende Knattern eines Hubschraubers, für uns klingt es Respekt einflößend, wenn nicht gar bedrohlich. Für Franz Schider ist es die reinste Musik – so vertraut, so liebgewonnen. Es ist Oktober, und wir sitzen daheim im Wohnzimmer seines Hauses in Waidring. Der Gang zur Haustür, um mich hereinzulassen, ist ihm schwergefallen – Oberschenkelhalsbruch im Mai dieses Jahres. Blöderweise genau zur Zeit der Honigernte. Franz ist passionierter Imker, hat seine Begeisterung aber nicht seinen Söhnen vererbt. Die wussten daher nicht genau, wie an den Honig zu kommen war. Die Lösung: Sie stellten eine Kamera auf, und Franz instruierte sie via Live-Übertragung auf Whatsapp vom Krankenhaus aus. Es klappte. Der Umgang mit moderner Technik ist für Franz ganz selbstverständlich. Handy, Internet, Tablet, PC, … alles kein Problem für den 84-Jährigen.
Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 1
Franz Schider wird 1934 „in der Schid“ beim Saalachtaler Schiderbauern geboren. Als er drei Jahre alt ist, bekommt er zum ersten Mal ein Flugzeug zu sehen: Eine Propellermaschine muss direkt vor dem Bauernhof seiner Familie notlanden. Das große Flugding im Garten beeindruckt den Knirps wohl mächtig. Im Jahr 1955 sieht Franz, nun 19 Jahre alt, zum ersten Mal einen US-Hubschrauber. Sofort ist dieses Gefühl wieder da, diese Begeisterung. Er hobelt und schnitzt einen drei Meter langen Propeller, kuppelt ihn an einen Sachs-Motor, hängt das Gerät an ein Seil und setzt sich einen Helm auf. Beim zweiten Startversuch macht der „Helikopter“ einen Satz nach vorn – es ist ein sehr kurzer „Flug“. Es gibt keine weiteren Versuche, der Traum vom Fliegen ist vorerst geplatzt. Franz wird Berufsjäger, ein fanatischer, wie er selber sagt. Als solcher kommt er schließlich auch nach Waidring. Doch die Räude macht alle seine Hoffnungen und Pläne zunichte: Sie befällt nahezu alle Gämsen des Reviers, die ganze Population ist zum Abschuss freigegeben. Die Bilder der Tiere, die von der Krankheit furchtbar gezeichnet sind, lassen ihn nicht mehr los. Er gibt seinen Beruf auf, wird zunächst Holzeinkäufer beim „Klausner“ und baut dann Seilbahnen zur Holzbringung. Die längste ist stolze 2.500 Meter lang.
Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 2

Ich werde Pilot

Wenn zum Überstellen von Seilwinden ein Hubschrauber im Einsatz ist, darf Franz manchmal mitfliegen. Eines Tages verletzt sich ein Forstarbeiter bei der Arbeit auf der Weißwand in Weißbach bei Lofer schwer. Es ist sechs Uhr morgens, und er liegt bewusstlos an einer kaum zugänglichen Stelle. „Den bringen ma nit lebend hinunter über die Wänd’“, sagen die Kollegen. Ein Hubschrauber muss her. Es dauert bis halb acht, bis der Salzburger Helikopter des Innenministeriums angeflogen kommt. Er kann jedoch nirgendwo landen und den Verletzten daher nicht aufnehmen. Erst um 14 Uhr kommt der Hubschrauber des Bundesheeres aus Linz, der schließlich eine Seilbergung vornimmt. Franz, der über beste Ortskenntnisse verfügt, sitzt auch im Cockpit. „Braucht ma zum Fliag’n a Matura?“, fragt er den Piloten. Als jener verneint, trifft er eine folgenreiche Entscheidung: „Dånn måch i’s!“ Dass Verletzte so lange Zeit auf Rettung warten müssen, ist für ihn ein Zustand, den er nicht ertragen kann.
„Der kerat Hall* auffi, der Bauernbua, als ob DER an Pilotenschein damåchat“, lacht man in der Wirtsstube, als Franz’ Pläne publik werden. „Und i werd’s enk zoagn“, schwört sich Franz. Zuerst aber braucht er Geld. Wer zu dieser Zeit in Österreich Pilot werden will, muss beim Bundesheer oder im Innenministerium beschäftigt sein. Da beides nicht zutrifft, bleibt für Franz nur die Ausbildung in der Schweiz, und die ist teuer. Er hat bereits geheiratet und eine Familie gegründet, sein Traum soll seine Lieben finanziell nicht belasten. Also fertigt er daheim am Schiderhof Schindeln und verkauft sie. Viele, viele arbeitsreiche Abende verbringt er am heimatlichen Hof, und irgendwann ist die Summe, die er braucht, beisammen. Oder zumindest fast. Aber er kann nicht mehr länger warten, er muss seinen Traum jetzt wahrmachen.
Das Lernen fällt ihm nicht leicht, besonders mit Englisch tut er sich schwer. Doch er hat sein Ziel vor Augen, und dafür ist er bereit, alles zu geben. In Bern absolviert er seine Praxis-Stunden. Wenn der Fluglehrer mittags meint „gehen wir essen“, lehnt Franz ab und sagt, er habe keinen Hunger. Am Appetit mangelt es freilich nicht, sondern am Geld. Franz verdrückt hinter dem Hangar heimlich eine mitgebrachte Wurstsemmel. Für das Mittagessen im Lokal hätte es noch mehr Schindeln gebraucht.

Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 3

Die „Henkers-Mahlzeit“

Der erste Alleinflug steht an. An diesem Morgen gönnt sich Franz ausnahmsweise eine große Portion „Ham and Eggs“. „Weil i håb ma denkt, vielleicht is des mei letzte Mahlzeit“, erinnert sich Franz und lacht herzlich. Später an diesem Tag fliegt der Fluglehrer in seiner Maschine voraus und dreht sich kein einziges Mal nach seinem Schüler um. Er vertraut auf sein Können. Zu Recht. Franz fühlt sich „pudelwohl“ in seiner „knatternden Kiste“ und zerspringt fast vor Freude. Dieses Gefühl, zum ersten Mal allein einen Hubschrauber zu steuern, es ist überwältigend. „I hu so a Freid’ g’håbt, des ku ma nit beschreiben.“ Noch heute geht ein Leuchten über sein Gesicht. „Und dann hu is eana zoagt.“ Für Franz ist die Rückkehr nach Hause, den Pilotenschein in der Tasche, ein Triumphzug. Am liebsten würde der 38-Jährige mit dem Stück Papier durch das ganze Dorf laufen, es allen unter die Nase halten. Doch man erfährt ohnehin von seinem Erfolg – 1972 ist er der erste Helikopter-Privatpilot in Österreich.

Als ein Pilot für Fotoflüge gesucht wird, kommt Franz das gerade recht. Mit einem Fotografen an Bord tourt er durch ganz Österreich. Auch, um auf die notwendigen 200 Flugstunden zu kommen, die er für den Berufspilotenschein braucht. Eines Tages zitiert ihn an der Grenze zu Jugoslawien die Flugsicherung zu sich. Es ist eine Anzeige eingegangen: Man hat einen Hubschrauber mit einer Kanone gesichtet und als sehr gefährlich eingestuft. Bei der „Kanone“ handelte es sich in Wahrheit um die Kamera samt Objektiv, die unter der Tür des Hubschraubers angebracht war. Franz lacht herzhaft, der Vorfall amüsiert ihn noch heute.

Franz absolviert die Hochgebirgs- und die Nachtflugausbildung. Zur Prüfung für den Berufspilotenschein tritt er gemeinsam mit seinem Sohn Rudi an, auch jener hat sich inzwischen der Fliegerei verschrieben und ist bereits Österreichs jüngster Privatpilot. Die Prüfung findet in Zürich statt, in einem großen, unübersichtlichen Gebäudekomplex. Franz ist so eingeschüchtert, dass er am liebsten davonlaufen würde. Als endlich der richtige Saal gefunden ist, verlässt Franz erneut der Mut. Und selbst als die Hälfte des Tests geschrieben ist, glaubt Franz immer noch nicht daran, dass die Prüfung zu schaffen ist, er will nichts wie ab nach Hause. „Tati, du weast jetzt nit davulaf’n“, hält ihn Rudi nochmal zurück. Ein paar Stunden später haben beide den Schein in der Tasche.

Franz schüttelt den Kopf, als er sich daran erinnert.

Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 4

Unzählige Einsätze

Als Franz endlich Berufspilot ist, fliegt er für die Firma „Air Cargo“ in Gmunden. Der Hubschrauber steht in Waidring oder zumindest in der Nähe, Franz nützt ihn für den Seilbahnbau und für viele andere Einsätze. Er fliegt Latschen für die Brennerei ins Tal, transportiert Liftstützen auf den Berg, Gipfelkreuze, ganze Almhütten, Futter für das Vieh und einmal sogar ein U-Boot. Ein U-Boot? Wie das? Die Staumauer des Zirmsees in den Hohen Tauern soll durchleuchtet werden. Dafür benötigt man ein U-Boot, das Franz an Ort und Stelle auf 2.800 Meter Seehöhe bringt. Und eine Druckkammer fliegt er auch noch ein, falls es beim Tauchen Schwierigkeiten gibt.

Franz gilt als ruhiger und besonnener Pilot mit viel Gespür für die Maschine. Während der 33 Jahre, in denen er fliegt, gibt es bei seinen Einsätzen nicht einen einzigen Verletzten. Wenn man sich vor Augen führt, wie gefährlich es sein kann, wenn schwere Eisenteile aus der Luft abgesetzt werden, bekommt man eine Ahnung von der Professionalität, mit der Franz arbeitet. „Und Glück hun i a g’håbt “, meint er bescheiden. Tatsache ist: Man muss wohl intuitiv spüren, von wo der Wind kommt, und entsprechend gegensteuern. Sonst ist die Maschine nicht zu halten und rammt bei der Anlieferung einer Liftstütze die ganze Mannschaft vom Podest. Der „Bauernbub“ hat’s zum Glück im kleinen Finger …

Im Rettungseinsatz

Der Waidringer lebt nun vom Fliegen, und natürlich ist er auch im Einsatz, um zu retten und zu helfen. Schließlich war das die Motivation, die ihn überhaupt erst ins Cockpit gebracht hat. Das Ganze hat nur einen Haken: Die Air Cargo und damit auch Franz als Rettungspilot werden viele Jahre lang boykottiert – aus politischen Gründen. Geht ein Notruf ein, holt man Franz einfach nicht. Sieben Jahre lang fliegt er deshalb ohne Bezahlung und rettet viele Menschen aus den verschiedensten Notsituationen. Auch seine Flugretter sind unentgeltlich dabei. Die Mannschaft riskiert nicht selten ihr eigenes Leben – und bekommt dafür nicht einen Groschen. Erst viele Jahre später, als das Rettungssystem auf neue Füße gestellt wird, erhält Franz für seinen Einsatz das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Die Anerkennung kommt spät, aber sie tut gut. Franz lächelt. Im Bezirk Kitzbühel und im Pinzgau kennt man ihn als Pionier des Flugrettungswesens.

 

Als Rettungspilot erlebt er unzählige schöne Momente. So vielen Menschen kann er helfen. Wie viele es wohl insgesamt sind? „Des ku i nit såg’n“, meint er, „owa i hu ma überlegt, es wird wohl a gånzer Eisenbahnzug voll Leit’ sein.“ Kaum einer der Geretteten bedankt sich je beim Piloten. Das stört Franz nicht. Alleine die Gewissheit, geholfen zu haben, macht ihn glücklich, sie ist ihm Lohn genug. Er startet manchmal auch dann, wenn andere den Einsatz wegen schlechter Sicht ablehnen. Franz sieht sich die Lage immer erst vor Ort aus der Luft an, und entscheidet dann. Und wenn er schon einmal da ist …

So ist es auch an jenem Tag im Jahr 1989. Der damalige Betriebsleiter der Bichlalm-Bahn hat auf der Bergstation zu tun und bemerkt, dass aus dem Hotel Bichlalm Rauch aufsteigt. Er sieht nach und öffnet eine Tür des Gebäudes. In diesem Moment kommt es zu einer Blitzstauexplosion, der Feuerball schießt dem Mann mitten ins Gesicht, schleudert ihn einige Meter zurück. Als er bei den Kollegen der Bergbahn angerannt kommt, ist sein Kopf auf das Doppelte angeschwollen, der Körper kohlschwarz und verbrannt. Die Männer rufen den Notarzthubschrauber, doch der kann nicht fliegen – es ist zu nebelig. Jemand kommt auf die Idee, Franz anzurufen, „der fliagt immer.“ Jener werkt gerade mit seinem Sohn Rudi an einem Hubschrauber, als ihn der Notruf erreicht. Sofort machen sich die beiden auf den Weg, Franz ist Pilot und Rudi Flugretter. Der Nebel ist wirklich dicht. Doch das Hotel brennt mittlerweile lichterloh und Franz entscheidet sich, direkt auf den Feuerschein, der durch den Nebel dringt, zuzufliegen. Er schafft eine punktgenaue Landung und kann den Verletzten aufnehmen. Er bringt ihn zuerst ins Krankenhaus Kitzbühel und transportiert ihn dann weiter nach Innsbruck. Friedl Luxner, der damalige Betriebsleiter, ist einer der wenigen, der Franz seine Dankbarkeit für seine Rettung immer wieder ausdrückt.

Franz Schider Helikopter Waidring
Franz Schider (c) Christina Feiersinger

Keine Zeit zum Angsthaben

Es gibt aber auch viele traurige, belastende Situationen. Einsätze, bei denen Franz nicht mehr helfen kann. „I vagiss de Blick’ nia, vo de Leit’, de beim Sterben san. Wia sie um Hilfe flehen mit de Augen“, sagt Franz. Oft findet er nach so einem Einsatz in der Nacht keinen Schlaf. Doch am nächsten Tag warten weitere Einsätze, das Leben geht weiter …

In schrecklicher Erinnerung ist ihm auch der Tag, an dem sein Freund und Fliegerkollege mit dem Hubschrauber am Zirmsee abstürzt. Als Franz davon hört, fliegt er sofort an den Ort des Geschehens. Das Bild, das sich ihm dort bietet, brennt sich schmerzlich in seine Seele ein, für immer: Das Wrack des abgestürzten Hubschraubers ist in einer steilen Felsrinne eingeklemmt und völlig ausgebrannt. Das Aluminium ist so heiß, dass es über die Felsen rinnt. „Da Horst …“, sagt Franz, und seine Stimme bricht. Erst am nächsten Tag kann der Leichnam seines Freundes geborgen werden. Franz erzählt von dem Augenblick, in dem er neben dem Bergesack sitzt und weint. Seine Augen füllen sich mit Tränen, meine auch. Franz erzählt eindringlich und lebendig.

Gleich zwei seiner Kollegen sind in ihren Maschinen tödlich verunglückt. Hatte Franz nie selbst Angst um sein Leben? Es gab doch bestimmt viele gefährliche Situationen. „Es is scho öfter eng hergånga“, sagt die Fliegerlegende. Jedes Jahr hätte es mindestens eine kritische Situation gegeben. „Owa då håt ma koa Angst, ma håt går koa Zeit zum Angsthåm.“ In solchen Augenblicken zähle es nur, Ruhe zu bewahren und richtig zu entscheiden. Er sei kein strenggläubiger Mensch, betont Franz, aber „hint’nåch håb i oft an Himmivåter gelt’s Gott g’sågt, dass er ma an Fingernåg’l dazwischen koit’n håt“, und er reckt den rechten Daumen in die Höhe, schaut auf seinen Fingernagel.

Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 5

Schwere Entscheidung

Mit 70 Jahren fliegt Franz einen weiteren schwierigen Einsatz auf der Rudolfshütte. Eine Frau mit Beckenbruch ist zu bergen. Im Nebel ist sie nur schemenhaft zu sehen. Franz bietet sein ganzes Können und seine ganze Erfahrung auf, um sie herauszubringen und ins Krankenhaus zu fliegen. „Wahnsinn, wia guat du des g’måcht håst“, meint der Betriebsleiter der Bergbahn anerkennend per Funk. „Jå“, antwortet Franz, „und des wår mei letzter Einsatz.“ Am anderen Ende der Leitung wird es ganz still. Als Franz diesen Augenblick schildert, sind die Emotionen wieder da, als hätte sich das alles erst gestern zugetragen. Aber er bleibt damals bei seiner Entscheidung. Mit dem Einsatz auf der Rudolfshütte geht eine Ära zu Ende. Franz gibt das Steuer ab, noch bevor sich etwa gesundheitliche oder sonstige Probleme einstellen könnten. In den folgenden Jahren fliegt er noch öfter mit Kollegen mit, und auch heute ist er noch ab und zu im Cockpit anzutreffen.

Franz Schider Helikopter Waidring

Das Beste daraus machen

Beruflich gesehen hat Franz all seine Träume wahrgemacht. Und in privater Hinsicht? Da hat nicht alles so geklappt, wie geplant. Zweimal war Franz verheiratet, aus den beiden Ehen stammen insgesamt acht Söhne und eine Tochter. Er ist stolz auf alle seine Kinder, Sohn Rudi hat vor 25 Jahren die Firma Schider Flugrettung in Waidring gegründet.

Seit 28 Jahren ist Franz nun schon glücklich mit seiner Resi, einen Trauschein brauchen die beiden nicht. Sie wohnen getrennt, doch Resi ist nur ein paar Häuser weit entfernt. „I hu mi bei ihr aussig’schnarcht“, scherzt Franz.

Bis vor neun Jahren unternahm Franz einmal im Jahr mit seinen „Buben“ eine Wanderung auf die Niederkaseralm, wo er einst in jungen Jahren als „Kiahiater“ arbeitete. Doch dann erlitt er einen Schlaganfall, seitdem ist ans Wandern nicht mehr zu denken. Der linke Arm ist erheblich beeinträchtigt, und nach dem Bruch des Oberschenkelhalses fällt eben auch das Gehen schwer. Doch Franz lässt sich nicht unterkriegen. Er akzeptiert die Situation, wie sie ist. „I versuach hoit, des Beste d’raus z’måch’n.“ Die Gesundheit ist heute das höchste Gut für ihn. 

Der Überflieger Franz Schider - Über ein U-Boot am Berg und ergreifende Dramen 6

Mit Leidenschaft widmet er sich jetzt der Imkerei. 15 Bienenvölker betreut er noch selbst, ein Stuhl neben dem Stock ist sein Beobachtungsposten. Manchmal fährt er mit dem Auto ganz nah ans Einflugloch und sieht bei geschlossenem Fenster zu, wie sich die Bienen mit ihrer schweren Last nähern. So machen wir es auch heute, und nach einer Weile steigen wir aus. „De Bienen geht’s wia mia“, erklärt Franz. Wenn die Sammlerinnen Normalgewicht tragen, fliegen sie geradeaus auf das Loch zu und direkt in den Stock hinein. Aber wenn sie richtig schwer beladen sind mit dicken, gelben Taschen an den Beinen, wird es schwieriger. Franz kennt diese Situation aus eigener Erfahrung als Transportflug-Pilot. „Wenn’st dånn z’långsåm bist, dann kimmst vom Übergangsauftrieb aussa und brauchst narrisch viel Kråft, dass des dahoits. De Bienen geht’s gleich.“ So kommt es, dass der Anflug nicht immer perfekt gelingt und die fleißigen Honigsammlerinnen so manches Mal schwer atmend und vor Anstrengung pumpend unterhalb des Einfluglochs „notlanden“ müssen, um sich dann nach einer Weile mit letzter Kraft in den Stock zu schleppen. So fasziniert war Franz einmal von den Starts und Landungen der kleinen „Honig-Hubschrauber“, dass er sich gar nicht mehr lösen konnte von ihrem Anblick. „Galings bin i unterm Schaug’n eing’schlåf’n und samt an Stuhl umg’foin“, erzählt er lachend.

Da – plötzlich ein lautes Summen, gefährlich nahe an meinem Ohr; erschrocken mache ich einen Satz zur Seite. Franz schaut mich ein wenig verständnislos an. Für ihn ist nicht nur das Knattern der Hubschrauberrotoren wie Musik, sondern auch das Summen der Bienen. Er weiß: Von seinen fliegenden „Kolleginnen“ hat er nichts zu befürchten …

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email

Bevor du gehst...

Wie wäre es, wenn wir in Kontakt bleiben? Kein Spam, versprochen. Nur ab und zu eine kleine Erinnerung mit aktuellen Angeboten und Geschichten aus der Region der Kitzbüheler Alpen.