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Influencer sind keine Krankheit

Sie sind jung, beherrschen das Internet und werden gefeiert wie Rockstars: „Influencer“, direkt aus dem Englischen übersetzt als „Einflussnehmer“, könnte man sinngemäß am besten mit „Meinungsmachern“ vergleichen. Denkt man unter diesem Terminus allerdings eher an Persönlichkeiten aus TV, Radio und Gesellschaft, sieht man „Influencer“ nicht in den „Seitenblicken“ auf ORF2, man hört sie auch nicht im „Frühstück bei mir“ auf OE3 am Sonntag, und schon gar nicht liest man über sie in den „Adabei“ Seiten in verschiedensten Magazinen. Aus TV wurde Youtube, Radiosendungen formten sich zu Podcasts und aus den Klatsch & Tratsch Magazinen wurden Instagram, Snapchat und Blogs. Willkommen in einer neuen Ära der Meinungsmacher, willkommen in einer Parallelwelt, in die man nur mittels Internetbrowser oder Smartphone eintreten kann.

Hätte man vor einigen Jahren darüber gesprochen, dass man mit einem Foto, das mittels Handykamera aufgenommen wird, tausende Euro verdienen, oder dass jemand ohne Schauspielerfahrung und nur mit einer Amateurkamera ausgestattet zum Multimillionär werden kann, wäre man wahrscheinlich für verrückt erklärt worden. Aber es ist 2018 und es ist eine Zeit, in der die Grenzen zwischen Wahnsinn und Genialität oftmals verschwimmen.

Influencer sind meist junge Personen, die es verstanden haben, Aufmerksamkeit in neuen Medien und auf sozialen Netzwerken zu generieren. Ihnen folgen tausende, hunderttausende, oftmals sogar mehrere Millionen Personen wortwörtlich auf Schritt und Tritt auf unterschiedlichen Kanälen wie Instagram, Youtube und Snapchat. Sie sind das Ergebnis der Demokratisierung von Meinungen und Informationen durch das Internet. Die digitale Transformation im Bereich der Medien machte es möglich, mit einem Laptop und Smartphone, ganz ohne sonstigem Startkapital, ein Medienunternehmen zu starten, seine eigene Radiosendung (Podcast), Fernsehshow (Youtube-Channels) oder ein Onlinemagazin (Blogs) mit Millionenreichweite zu produzieren. Mit ein wenig Know-How, Konsistenz, einer guten Idee und Authentizität versuchen vorwiegend „Digital Natives“ (Personen, die mit dem Internet aufgewachsen sind), alte Strukturen in der Medienbranche zu brechen. Und es gelingt ihnen. Influencer suchen sich meist Nischenthemen aus den Bereichen Lifestyle, Essen/Trinken, Sport, Technologie, Reisen und Gesellschaft und erzählen durch selbsterstellte und eigens verbreitete Inhalte aus dem eigenen Leben authentische Geschichten zu ebendiesen Themen – und das in Echtzeit. Sie verstehen es, ihre Fans mit Informationen, Bildern, Videos und Texten zu versorgen, die dem Zeitgeist entsprechend konsumiert werden. Sie verstehen es, mit Followern auf Augenhöhe zu kommunizieren. Sie verstehen es, dir und mir das Gefühl zu geben, dass wir Teil ihres Lebens sind – und das gefällt uns, wir vertrauen ihnen.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Brands aus diesem Grund das Marketingpotential der Influencer entdeckten. Unternehmen begannen damit, Personen mit einer großen Anzahl an Instagram-Followern kostenlose Artikel mit der Bitte zuzuschicken, bei Zeiten doch einmal ein Bild mit dem jeweiligen Produkt zu posten. Eine geniale Maßnahme, die funktionierte. Gerade im Fitness- und Kleidungsbereich schlug diese neue Art des Marketings ein wie eine Rakete und vor allem in der Anfangsphase dieser Ära konnte man als Unternehmen eine enorme Reichweite zu de facto Nullkosten auf sozialen Netzwerken erzielen.

Auch wenn der Hype um Influencer nicht nachlässt und in den nächsten Jahren weiter ansteigt, reicht es heute allerdings nicht mehr aus, Produkte kostenlos zuzuschicken, mit der Garantie, dass der Influencer ein Bild bei der Benutzung des Artikels postet und Bestellungen ihrer Followerschaft automatisch eingehen. Heute haben Influencer ihren Preis und es geht um knallharte Ergebnisse. Aus Einschaltquoten und Leserzahlen wurden Views, Likes und Reach (Reichweite) –  und diese Kennzahlen sind Bemessungsgrundlage dafür, ob Unternehmen mit Influencern arbeiten oder nicht. Waren diese Zahlen in der Vergangenheit noch rein zum Push des eigenen Egos da, bestimmen sie heute Preis und Nachfrage eines einzelnen Influencers.

Wieso stecken also Unternehmen bis zu 25.000 US-Dollar in ein einziges Foto, das von einer Influencerin gepostet wird? Weil Influencermarketing wirkt: Teenager fühlen sich sieben Mal mehr emotional mit ihren Lieblings-„Youtubern“ verbunden als mit Hollywoodstars wie Jennifer Lawrence. Unternehmen verzeichnen bei der Zusammenarbeit mit Influencern einen elfmal höheren „Return on Investment“ – also das Verhältnis zwischen Gewinn und Kosten – als mit anderen Formen des digitalen Marketings. Und 75% der Internetuser vertrauen auf Empfehlungen aus sozialen Netzwerken, wenn sie eine Kaufentscheidung treffen. Kampagnen mit Influencern werden seit ca. fünf Jahren auf professioneller Ebene durchgeführt, seit 2013 hat sich die Anzahl von Influencerkampagnen um 9.000% erhöht, Tendenz exponentiell weiter steigend!

Warum funktioniert Influencermarketing?

Es ist diese grundlegende, tief in unserem Sein verwurzelte und einfache Idee, die für den Erfolg von Influencermarketing ausschlaggebend ist: Emotionale Verbundenheit, Vertrauen und das Bedürfnis von Gruppenzugehörigkeit. Influencer stellen für uns Idole aus dem Alltag dar. Wir fühlen uns mit ihnen verbunden, denn sie wohnen nicht in einer umzäunten Villa in Hollywood, sie gehen in die Restaurants, in die wir gehen, sie trinken die Smoothies, die wir trinken und sie tragen keine 100.000 Euro Kleider am Laufsteg, sondern fragen uns auf Instagram, welches T-Shirt sie sich von einem jungen, coolen Label zu leistbaren Preisen kaufen sollen. Und obendrein schenken sie uns für unser Kommentar auch noch einen Gutscheincode, damit wir dasselbe Shirt tragen können. Influencer sind wie wir. Wir glauben ihnen, weil wir denken, sie zu kennen. Wir vertrauen ihnen, weil sie uns in ihrem Alltag teilhaben lassen. Wir mögen sie, weil sie uns mögen. Wir kaufen die Produkte, die sie uns empfehlen, weil wir dann ein Stück selbst Influencer sein können. Und wenn sie für die Empfehlung eines Produkts 25.000 Euro verdienen, dann war guter Rat eben teuer – oder auch nicht.

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