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Jessis Kunst: Wovon eine Realistin träumt

Jessica_Bronauer_Bei_ins_dahoam_14.03.19 (14)-min
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Jessica Bronauer im Portrait

Wie es die junge Goinger Künstlerin Jessica Bronauer schafft, ihr „Ding“ durchzuziehen und dabei sich und andere glücklich zu machen.

Text: Christina Feiersinger
Fotos: Christina Feiersinger, Jessica Bronauer
Dieser Artikel ist in der aktuellen Ausgabe von “Bei ins Dahoam” erschienen

 

Wie wohl die meisten Menschen träumt auch Jessica Bronauer davon, reich zu sein. Allerdings nicht des Geldes wegen, nein – für Jessi wäre ein unvermittelter Wohlstand vielmehr Mittel zum Zweck, und zwar für einen ganz besonderen Zweck, der ganz deutlich zeigt, dass die junge Goingerin mit Leib und Seele Künstlerin ist: Jessica wäre gerne reich, damit sie sich pausenlos dem Zeichnen widmen könnte, ihrer großen Leidenschaft, mit der sie so vielen Menschen Freude zu bereiten vermag.


Aber auch ohne Lotto-Sechser ist die 24-Jährige ziemlich erfolgreich: Schon mit zarten 20 Jahren machte sie sich selbstständig und begeistert seither Kunden über die Landesgrenzen hinaus mit ihrer außergewöhnlichen Kunst. Jessicas Zeichenstil, den wohl nur wenige Künstler derart virtuos beherrschen, nennt sich „Fotorealismus“. Auf Vorlage eines oder mehrerer Fotos erstellt sie naturgetreue Bilder, die bis ins kleinste Detail perfekt sind. „Ist das wirklich eine Zeichnung oder ein Foto?“, bekommt Jessica oft zu hören; auch ich kann mich dieser Frage kaum erwehren, als ich die Goingerin bei ihr zu Hause besuche und sie mir einige ihrer Arbeiten zeigt. Sie sind so verblüffend realistisch und plastisch, dass man das Gefühl hat, als könne man die gezeichneten Menschen, Tiere und Landschaften berühren. „Jå, des können die Leit zuerst oft nit glab’n“, meint Jessica lächelnd und streicht sich mit ihren tätowierten Fingern eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Jessi ist ein bisschen eine „wüde Henn“, eine Künstlerin durch und durch, die aber zugleich sehr bodenständig wirkt und genau weiß, was sie will.

Mehr als ein Kindheitstraum

Schon im Kindergarten stand für Jessi fest, dass sie eines Tages Malerin wird – kein Wunder, denn ihr großes Vorbild für diesen Traum fand sie in ihrer Mutter, die ihrerseits Malerin ist. „Die Mama hat ma den Mut gegeben, mei Vorhaben umzusetzen. Ihre Erfahrungswerte als selbst ebenfalls freischaffende Künstlerin waren hilfreich, so etwas haben andere Künstler nit. Owa no wichtiger is die Unterstützung und der Rückhalt, dafür bin i sehr dankbar.“ Jessica lächelt gedankenverloren und ergänzt dann: „Mei Mama findet es scho cool, dass i das Gleiche måch wie sie, sie måcht immer fleißig Werbung für mi und is stolz“ – natürlich auch auf Jessicas jüngeren Bruder, der ebenfalls – na, erraten? – eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen hat und zwar als Glasbläser.

Nachdem Jessica schon als Kind bei zahlreichen Malwettbewerben brillierte, stand jedenfalls fest, dass auch ihre Ausbildung in diese Richtung gehen sollte. Sie besuchte die HTL für Bau und Design in Innsbruck, wo sie die zeichnerischen Grundkenntnisse wie etwa das Schraffieren lernte und sich an ersten Portraits versuchte. Den Rest brachte sich Jessica selbst und mit viel Übung – die ja bekanntlich den Meister macht – bei. „Je mehr ma übt, desto mehr Tricks findet ma a beim Håndwerk des Zeichnens für oan selber raus“, erklärt Jessi, doch beim Blick auf ihre Zeichnungen wird deutlich, dass wohl auch eine beträchtliche Portion Talent dazugehört, um solche Kunstwerke zu erschaffen.

Als Jessicas Nachbarin eines Tages fragte, ob sie nicht vielleicht ihren Hund zeichnen könnte, war schließlich die Idee mit dem fotorealistischen Zeichnen geboren. Jessica hatte damals Feuer gefangen und seither nicht mehr aufgehört, für diese Leidenschaft zu brennen: „Sie håt g’sågt: ,Du gehst decht in de Schule, magst nit amoi mein Mops zeichnen?’, då håt des hobbymäßig begonnen. Und nach der Schule håb i mir g’sågt: ,Jå, des passt. Des is etz mei Ding’.“


Mehr als ein Foto

Mit diesem „Ding“ hat sich die 24-Jährige mittlerweile schon einen Namen gemacht. Ihre Werke sind nämlich nicht einfach nur „abgezeichnet“, sondern weit mehr als das: Die junge Malerin verleiht zusätzlich zu ihrer ausgesprochen realistischen Darstellung jeder Zeichnung stets das gewisse Etwas. Mit ihrer künstlerischen Einfühlsamkeit arbeitet sie den Charakter der Portraitierten heraus, ihre Essenz, verstärkt ihre Emotionen und verleiht ihnen zusätzliche Strahlkraft. Die Wirkung und die Wertigkeit gehen dabei weit über jene der Vorlage und über das hinaus, was ein einfaches Foto erzielen könnte. „Klår wird’s immer oa geb’n, dia såg’n: ,Då ku i jå glei a Foto nehmen’, owa die håb’n nit verstånden, worum es eigentlich geht“, sagt Jessica.

„I schåff mit meinen Zeichnungen etwas vo künstlerischem und individuellem Wert, etwas Handgemachtes, Dauerhaftes und Besonderes.“ Jessica trifft damit genau den Nerv der Zeit: In unserer Schnelllebigkeit, deren digitale Fotoflut kaum zu bewältigen ist, wäre es doch schön, sich ein solches besonderes Bild an die Wand hängen zu können. Etwas, an dem auch das Herz hängt, und das durch Jessicas Kunst noch einmal auf eine ganz neue, höhere Stufe gehoben wird.

„Das Zeichnen nåch Vorlage hat natürlich den Vorteil des großen Detailreichtums“, sagt Jessi. „Über diese Vorlage hinaus sind owa der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Oft wünschen sich Leute, dass i zum Beispiel mehrere Fotos zu einem Bild zusammenfüg oder kreative Elemente einbring. Für einen Freund musst i amoi seinen Kopf und einen Körper mit Kettenhemd zusammensetzen.“ Jessica lacht beim Gedanken daran und wird dann aber gleich wieder ernst: „In der Kunst sind die Möglichkeiten endlos, die Ideen unendlich. Außerdem kånn i viele Techniken mischen, Bleistift und Aquarell oder Bleistift und Acryl zum Beispiel, um den Wünschen meiner Kunden nachzukommen“ – oder sie gar zu übertreffen.

 


Mehr als bloß Freude-Bereiten

Mit ihren Bildern hat Jessi tatsächlich schon vielen Menschen eine unschätzbare Freude gemacht und sie tief berührt, etwa wenn sie geliebte Verstorbene zeichnet. „Als Andenken wünschen sich månche Kunden Bilder ihrer verstorbenen Angehörigen gemeinsam mit den Lebenden“, erzählt Jessica. Mit ihrer Kunst schafft sie, was im Leben nicht mehr möglich ist: Innerhalb ihrer Zeichnungen sind die Hinterbliebenen noch einmal mit deren Lieben vereint. „Die Reaktionen darauf sind oft sehr emotional und rührend. Die Leute freuen si so sehr, des erwärmt einem scho das Herz. Mei Zeichnen håt dadurch einen tiefgründigeren Sinn, des is sehr sche und erfüllend für mi.“

Nicht nur in Bezug auf Trauerhilfe erfüllt Jessicas Kunst jedoch eine sinnstiftende Aufgabe, sondern natürlich auch zu freudigen, besonderen Anlässen. Besonders beliebt sind ihre Auftragsarbeiten für Geburtstage und Hochzeiten. Auch auf Weihnachten hin ist Jessi stets sehr ausgelastet. „Meine Bilder sind sehr persönlich und im Idealfall håt ma sie a Leben lång“, hält die junge Künstlerin fest.

Was war das beste Feedback, das sie je bekam? „Hm, då muss i scho überlegen“, meint Jessica, kommt aber dabei auf keinen grünen Zweig und stellt nach einer Weile fest: „Für mi gibt’s eigentlich nit DAS EINE schönste Feedback, weil bisher alle so durchwegs positiv und liab wåren. Wenn die Leit a Freid håb’n, håb i des a.“ Ein bisschen Anerkennung tut aber stets gut und bestärkt sie auf ihrem Weg, der als Selbstständige natürlich nicht immer einfach ist. „Oa Moi is beim Ausgehen a fremdes Mädel zu mir kemma und hat g’sågt: ,Du bist decht die Jessica, die so schön zeichnet, oder?’ Des wår scho a tolle Bestätigung“, erinnert sie sich lächelnd.

Mehr als nur ein Bleistift

Beim Betrachten ihrer Arbeiten fällt auf, dass Jessica zwar auch des Öfteren mit Buntstiften arbeitet oder Aquarell in ihre Bilder miteinfließen lässt, dass aber dennoch die Bleistift-Zeichnungen überwiegen. Ihren Hang dazu erklärt sie wie folgt: „Schwarzweiß is zeitlos, passt überall dazu und hat etwas Edles. Meine Bilder sollen jå immer gefallen und immer a Freude bereiten, unabhängig von den anderen Farben im Raum. Außerdem is Bleistift a für die Zeichentechnik von Vorteil: Er lässt sich so guat blenden, is exakt und geschmeidig.“

In ihren Portraits zeichnet Jessica am liebsten genau das, was für Laien als die wohl größten Herausforderungen erscheinen müssen: Haare oder Fell (wie bei ihren beliebten Haustier-Portraits) und besonders detailreiche Bilder (wie etwa Familienportraits mit vielen verschiedenen Gesichtern). Beim Blick auf die unzähligen feinen Härchen in einem ihrer Hundeportraits möchte ich selbstverständlich wissen, wie lange sie für ein solches Bild braucht. „Acht bis sechzehn Stunden für ein normales Portrait in A4“, sagt sie. Dabei kann es schon einmal passieren, dass sie eine ganze Zeichnung nach stundenlanger Arbeit verwirft und noch einmal von vorne beginnt. „I verkauf nur, wås ma selber a gefällt“, spricht die Perfektionistin aus ihr.

Mehr als ein Beruf 

Neben ihren Portraits zeichnet Jessica auch mit Begeisterung Landschaften – für deren Inspiration und andere neue Ideen genießt sie es, zu reisen. Wohin wird Jessicas künstlerische Reise davon abgesehen gehen? „I werd immer zeichnen. Mehr Bekanntheit wär sche, is owa kein Muss, weil i a so sehr glücklich bi. I derf des måchen, wås i lieb, wås mei Berufung is. Es wär nur zusätzlich toll, um no mehr Menschen mit meiner Kunst erreichen und damit a bereichern zu können.“

Irgendwann wird Jessicas Kunst vielleicht wortwörtlich unter die Haut gehen. In den nächsten Jahren plant sie nämlich, ihr Aufgabengebiet zu erweitern und womöglich zusätzlich die Kunst des Tätowierens zu erlernen – das wäre doch passend, für so eine „wüde Henn“, die derart perfekt zeichnen kann. Schon jetzt entwirft sie immer wieder Tattoo-Vorlagen für Kunden; jene auch noch selber stechen zu können, „wäre schon cool“, meint sie.

Jessica Bronauer, die mit viel Mut und Kreativität ihre eigenen Zukunftsambitionen Tag für Tag umsetzt, hat eine Botschaft an andere angehende Künstler – eigentlich sind ihre Worte aber wohl für jeden passend: „Måcht’s des, wås euch glücklich måcht. Einfach tun und keine Angst davor haben. Ma muss halt ab und zu aus der eigenen Komfortzone raus. Wenn ma si reinhaut und es wirklich will, wird ma immer an Weg finden.“ Sie ist eben eine (Foto-)Realistin mit ganz großen Träumen.

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Oliver Allmoslechner und Franz Lechner von herzregion.at