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Kitzbüheler Glocken – das steckt hinter den beiden Glockentürmen

Eine Insider-Story über die Kitzbüheler Glockentürme

Die Pfarrkirche in Kitzbühel hat einen schmalen Glockenturm, die Liebfrauen-Kapelle daneben einen massiven. Dazu gibt’s eine interessante Geschichte.

 

Dieser Artikel ist im Jahr 2017 im regionalen Magazin “Bei ins Dahoam” erschienen. Alle Angaben entstammen der Originalversion der Printausgabe von “Bei ins Dahoam”.

Das Stadtbild von Kitzbühel ist geprägt von den beiden Kirchen, die sich auf dem Kirchhügel erheben. Eng beieinander stehen sie da, eine jede mit ihrem Glockenturm. Und das ist eigentlich ungewöhnlich, dass eine Stadt in der Größe von Kitzbühel gleich zwei Kirchen hat mit zwei Glockentürmen. Sind die Kitzbüheler/innen den frommer als andere, oder haben sie eine Schwäche für Glocken und Türme? Eine Frage, der wir nachgingen. Und wen fragt man in Kitzbühel, wenn es um solche Dinge geht? Natürlich Dr. Wido Sieberer, Leiter des Museums Kitzbühel und Stadtarchivar. Er kennt die Geschichte Kitzbühels und der ganzen Region so gut wie kaum ein anderer.

Natürlich weiß er, was es mit den beiden Kirchen und Glockentürmen auf sich hat:

„Wenn man sich die Pfarrkirche St. Andrä anschaut, fällt auf, dass der Glockenturm im Vergleich zum massigen Kirchenschiff eher schmal ausfällt. Das liegt daran, dass es an diesem Platz schon davor eine Kirche gegeben hatte, die neu erbaut wurde. Den Glockenturm aber hat man aus Spargründen übernommen, das ist nicht ungewöhnlich. So kommt das Kirchschiff aus dem 15. Jahrhundert, der Turm in seinen Grundformen aber aus dem 13. Jahrhundert und ist daher ungefähr so alt wie die Stadtmauern in Kitzbühel. Daneben steht die Liebfrauenkirche, eine Kapelle, die ursprünglich im 14. Jahrhundert erbaut worden ist – und zwar ohne Turm.

Kitzbüheler Glocken - das steckt hinter den beiden Glockentürmen 1

Die Glocke zu groß oder der Turm zu klein?

Nun trat folgende Situation ein: Die Kitzbüheler haben nach Fertigstellung der Kirche, also Anfang des 16. Jahrhunderts, eine große Glocke bestellt. Als sie geliefert wurde, hatte man aber Bedenken, ob der doch eher schmale Turm das Gewicht halten würde. Man getraute sich nicht, sie aufzuhängen.“

Wir unterbrechen Widos Erzählung. Man stelle sich vor, wie es den Kitzbühelern ergangen sein mag, damals. Für Spott und Hohn in den Nachbargemeinden war wohl gesorgt. Zum Glück gab es weder Medien, noch Internet oder facebook. Die Kitzbüheler wären mit ihrem Missgeschick wohl ziemlich berühmt geworden. Die Schildbürgerstreiche wurden übrigens in etwa zur gleichen Zeit aufgeschrieben. Gut, dass Kitzbühel so weit weg war von der Deutsch/Französischen Grenze, wo sie zum ersten Mal erschienen. Aber wie ging’s weiter?

„Man montierte die zu große Glocke auf ein hölzernes Provisorium und stellte sie auf den Friedhof. Dort leistete sie 50 Jahre lang ihre klangvollen Dienste. Dann entschloss man sich, ihr doch einen entsprechenden Turm zu bauen. Anstatt jenen der Pfarrkirche zu verstärken, wurde ein neuer auf der Liebfrauenkapelle errichtet. So kommt Kitzbühel zu seinem charakteristischen Stadtbild mit der Kapelle und ihrem überdimensionierten Turm und der Pfarrkirche mit einem Turm, der zu klein anmutet.“

Kitzbüheler Glocken - das steckt hinter den beiden Glockentürmen 2

Eine „Innsbruckerin“ in Kitzbühel


Wenn wir schon beim Thema Glocken sind, zur jetzigen großen Glocke gibt es auch eine interessante Geschichte. Sie wurde im 19. Jahrhundert beim Glockengießer Miller bestellt. Wobei: Bestellt hatten sie eigentlich die Innsbrucker für den Innsbrucker Dom als Dank dafür, dass die Stadt von der Cholera verschont geblieben war. Nicht nur eine Inschrift auf der Glocke weist darauf hin, sondern auch die Darstellung eines Engels mit dem Wappen der Stadt Innsbruck sowie des Kirchenpatrons St. Jakob. Doch es stellte sich heraus, dass die Glocke einen Gussfehler hatte.
Die Innsbrucker waren jedenfalls heikel genug, sie nicht zu nehmen. Da sahen die Kitzbüheler ihre Chance – sie kauften die Glocke zum Materialwert. Allerdings musste auch das Geld dafür erst aufgetrieben werden, eine große Spendenaktion brachte den gewünschten Erfolg. Dann prüfte man noch, ob nicht der Klang Schaden genommen hätte durch den Gussfehler, aber das wurde ausgeschlossen. Auch stimmungsmäßig passte sie zum bestehenden Geläute.

Am 12. September 1847 kam die Glocke in Kitzbühel an, der Bacherwirt führte sie mit 10 Pferden von Innsbruck herab. Es war ein Freudentag für die ganze Stadt.
So hängt Josef Georg Millers 193. Werk, eine 6.300 kg schwere Glocke mit einem faustgroßen Loch heute noch im großen Glockenturm in Kitzbühel. Als einzige der Kitzbüheler Glocken blieb ihr das Schicksal erspart, in den Weltkriegen eingeschmolzen zu werden. Sie läutet jeden Freitag um 15 Uhr und an ganz bestimmten Feiertagen. Josef Schmid, von 1930 bis 1963 Stadtpfarrer in Kitzbühel, drückte es einst so aus:

 

Liebeserklärung an eine Glocke


„Unsere große Glocke hat etwas in sich wie eine Seele, wie ein Herz: Sie jubelt zur Freude, Sie tröstet zur Trauer, sie wehrt gegen Zunder und Hagel, sie ruft zum heiligen Opfer, zur Buße und Herrenmahl. Und wenn das Pfarrvolk in Prozessionen geht, da schmückt sie ihren Klangkörper wie eine apokalyptische Braut. Gibt es in Kitzbühel einen zweiten Nenner, der alles so ausnahmslos zusammenhält wie unsere Große?“

Wie kann Kitzbühel sich glücklich schätzen, eine solche Glocke zu besitzen. Und einen Glockenturm, der stark genug ist, sie zu tragen.

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