Firma Trixl – Familien- und Frauenpower am Puls der Zeit

Firma Trixl aus Fieberbrunn – ein Portrait eines außergewöhnlichen Familienunternehmens

Dieser Artikel in “Bei ins Dahoam” erschienen.

TEXT: JUTTA SIORPAES
FOTOS: DEFRANCESCO, ALP-LINE, PRIVAT

Wenn sich ein Familienunternehmen über 125 Jahre erfolgreich behauptet, darf man annehmen, dass ganz viel richtig gemacht wurde und wird. Und dass immer wieder mutige Entscheidungen getroffen wurden, die ihrer Zeit oft voraus waren und die Zeitgenossen überraschten.

Geschichte Tischlerei Trixl - Elfriede beim Arbeiten

Die erste Tischlermeisterin von Tirol

Das war sicher der Fall, als die junge Elfriede Trixl, die damals noch Kafka hieß, in den späten fünfziger Jahren beschloss, die Tischlerei zu erlernen. Einen echten Männerberuf zu der Zeit, weshalb sie 1960 auch die erste Tischlermeisterin in Tirol wurde. Simon Trixl sen., der damals schon ihr Verlobter gewesen war und mit ihr im Betrieb von Elfriedes Eltern gearbeitet hatte, erinnert sich gern an die Aufregung, als seine junge Braut am Ende der Ausbildung zum Meisterkurs nach Salzburg hinausmusste. Damit auch ja alles klappt, hatte er ihr extra das ganze Werkzeug pickfein hergerichtet und a g’scheite Schneid auf das Stemmeisen und die Säge gemacht. Und dann kam auf einmal die aufgeregte Nachricht aus Salzburg: Die Bretter sind verzogen. Völlig unbrauchbar für die Schublade, Elfriedes Meisterstück. Simon hatte sofort gemerkt, wie verzweifelt sie am Telefon geklungen hatte, aber er meinte nur, sie solle sich ja nicht aufregen, er würde kommen und neue bringen. Das ginge sich schon noch aus vor der Prüfung. Gesagt – getan. Simon brachte Elfriede neue Bretter, und die Prüfung lief perfekt.

Ein Blick zurück

Tischlerei Trixl - Buben

Aber Elfriede war nicht die Erste in der Familie, die sich der Herausforderung stellte, sich in einer reinen Männerdomäne zu behaupten. Das war ihr von ihrer Mutter Anna gewissermaßen in die Wiege gelegt.

Deren Vater, der Firmengründer Christian Lichtmannegger, und somit Elfriedes Großvater, hatte 1894 in der Dorfstraße von Fieberbrunn die erste „mechanische Werkstatt“ im Bezirk Kitzbühel errichtet. Da die Söhne Bartl und Christian verstarben, trat seine Tochter Anna das Erbe an. Möglich war dies, weil sie mit ihrem Ehemann, dem Tischlermeister Martin Kafka, einen Fachmann an ihrer Seite hatte, der die Werkstatt führen durfte. Doch das Schicksal schlug zu: Elfriedes Vater Martin kehrte nicht aus dem Krieg zurück. Und Anna hatte ein Problem, das sie löste, indem sie 1945 die Geschäftsführung des Witwenbetriebs an den Tischlermeister Konrad Huter übertrug. Vielleicht impfte sie ihre Töchter Elfriede und Herta aufgrund dieser Erfahrung, keine Angst vor einem Männerberuf zu haben und stets bedacht zu sein auf ihre Selbständigkeit. Denkbar wäre es. Denn tatsächlich lernten beide Mädchen das Tischlerhandwerk, und während Herta nach Südtirol heiratete, übernahm Elfriede mit ihrem Simon den elterlichen Betrieb.

Ein starkes Team

Elfriede und Simon zogen an einem Strang. Sie wussten beruflich wie privat, was sie wollten. Gemeinsam modernisierten sie die Tischlerei in der Dorfstraße und Simon errichtete das erste Möbelhaus in der Spielbergstraße. Zeitgleich gründeten sie ihre Familie. Sie bekamen vier Buben – Simon, Martin, Peter und Michael – die bald wie die Orgelpfeifen dastanden, und Elfriede hatte es nicht nur im Beruf, sondern auch daheim vorwiegend mit lauter Mandern zu tun.

1971 wagte Simon einen großen Schritt: er errichtete den Neubau der Tischlerei an der Hochkönigstraße, ein mutiges, innovatives Vorhaben. 1973 übersiedelte das Möbelhaus ebenfalls dorthin. Damit waren sowohl Handel als auch Bau- und Möbeltischlerei unter einem Dach vereint.

Simon war für Planung, Verkauf und Produktion verantwortlich, Elfriede übernahm Handel und Büro. Im Dorf blieb das bis heute bestehende Textilgeschäft. Die Zahl der Mitarbeiter stieg auf dreißig. Die Aufträge, die hereinkamen, führten sie weit herum im In- und Ausland. Mit dem Betrieb wuchsen die Söhne, die nach der Reih’ ins Geschäft einstiegen.

Regionale, Tiroler Handwerkskunst von der Firma Trixl

Sanfte Hofübergabe

Das erlaubte Simon sen., sich ab 1993 langsam zurückzuziehen und sich mehr seiner Geschäftsführertätigkeit bei den Bergbahnen zu widmen. An seine Stelle in der Betriebsleitung traten nach der Gesellschaftsgründung die beiden ältesten Söhne Simon jun. und Martin. Simon jun., seit 1983 selbst Tischlermeister, war fortan vorwiegend für die Tischlerei und Martin für das Einrichtungshaus verantwortlich. Sie führten den Betrieb ins Computerzeitalter. Die jüngeren Brüder Peter, ebenfalls Tischlermeister, und Michael, der Tischler und Bürokaufmann lernte, verstärken in Arbeitsvorbereitung, Bautischlerbelangen und Maschinenwartung den Betrieb. Anna-Judith Trixl hält ihrem Ehemann Martin durch ihren universellen Einsatz im Einrichtungshaus den Rücken frei , damit er, wie vor ihm der Vater, zusätzlich die Geschäfte der Bergbahnen führen kann. 2004 erfolgte der Einstieg in die computergesteuerte CNC Produktion und später auch die Computerplanung. Neben vielen technischen Modernisierungen erfolgte der Neubau des Holzlagers mit Hallenkran, die Heizanlage wurde erneuert, Silo und Spänelager umgebaut. Und, und, und.

Die fünfte Generation

Inzwischen sind die Kinder der vier Brüder herangewachsen und im Familienbetrieb aktiv, der zeitgeistige Gesamtkonzepte von der Planung bis zur Ausführung von Bau- und Möbeltischlerei anbietet, ohne Tradition und Altbewährtes zu vergessen. Die Jüngeren, Peter jun. und Martin jun., arbeiten in der Arbeitsvorbereitung und Tischlerlehre. Martins Tochter Magdalena ist für Planung und Verkauf im Einrichtungshaus sowie für textile Gestaltung zuständig. Ihr Cousin Simon jun. jun., der älteste der jungen Riege und damit am längsten in der Firma, ist der krea-tive Innenarchitekt, der für die Kunden Einrichtungskonzepte entwickelt.  Er hat übrigens 2009 die Meisterprüfung abgelegt.

Fast 50 Jahre nach seiner Großmutter Elfriede … 

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